Kolumne zu Garten- und Naturthemen


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03.01.2022 → Rapunzel, lass Dein Haar herunter


Rapunzel, lass Dein Haar herunter
03.01.2022

Autorin: Lucia Lehner

Meine liebe Garten- und Naturfreunde,

Mitte Dezember war ich zum Essen eingeladen, da gab es unter anderen leckeren Sachen auch einen Feldsalat. Rapunzeln genannt. So sind wir auf das Märchen von "Rapunzel, lass dein Haar herunter" gekommen, in dem es ja sehr um diese Rapunzeln (Feldsalat) geht.

Zu Hause habe ich immer wieder an dieses Märchen denken müssen und habe es sofort nachgelesen. Da fiel mir ein, dass ich vor ein paar Jahren einer Bekannten von mir viele Stränge von diesem gehechelten, gebrochenen Hanf geliehen hatte um die Geschichte von Rapunzel für Erwachsene damit nachzustellen.

Wo habe ich diesen einzigartigen Hanf her? Wie kam der zu mir? Als in Denklingen in 2014, eventuell auch früher, der alte "Neuwirt" verkauft war und ausgeräumt wurde, machte ich mich eines Tages auf den Weg um auch noch an eventuelle Raritäten zu kommen. Mein Jäger- und Sammlerherz war wieder mal entfacht. Da stand ich nun unter den Kastanien neben der alten Kegelbahn, die schon fast zusammenfiel, und ich suchte so herum unter den Dingen, die man einfach mitnehmen durfte. Ja, was ham mer denn da, mein Herz hüpfte vor Freude und meine Augen wurden ganz groß, da standen zwei riesige Kartons voll mit fantastischem, altem Hanf. Ich dachte, her mit dem Auto und rein damit.

Ich habe aus dem Hanf Garn gesponnen und in Wachs getaucht, das nehme ich her als Lunte für meine supertollen Holzanzünder aus Sägespänen, Wachs und Kohlestaub. Einfach herrlich, wie die vor allen Dingen lange brennen. Bei meinen Verkohlungskursen sind auch mal Hunde dabei, die wissen, was ihnen guttut, und fressen im unbeobachteten Augenblick den Holzanzünder mit Genuss.

Leider habe ich auch mal versucht den Hanf zu kardieren, das geht gar nicht, weil die Fasern nicht mehr lang genug sind um sie zu verspinnen. Aber aus Fehlern lernt man bekanntlich.

Ja, was ist denn das nun mit diesem alten Hanf, zu was hat man den hergenommen in alten Zeiten und was macht man heute damit?

Unter dem Krieg wurden Hanfbauern nicht eingezogen, weil die Menschen, die dieses Material anbauten, so wichtig waren. Hanf war zur Kleidungsherstellung notwendig, als Dichtungsmaterial bei Installateuren, zur Papierherstellung, als Hanfleinen, auf dem sogar van Gogh malte, als Holzzellulose, als Seile auch im Schiffsbau. Hanf ist einer der besten Proteinlieferanten und gilt als Superfood. Es sind unglaublich viele Vitamine im Hanf z.B. VB2. Was als Fleischersatz zum Muskelaufbau hervorragend ist. Es soll für die Sehschärfe und gegen brennende Augen helfen. Hanfsamen ähneln dem Menschenprotein und haben Omega-3-Fettsäuren, sollen dadurch entzündliche Prozesse wieder ins Lot bringen. Er unterstützt die Entgiftung des ganzen Körpers. Ist das nicht ein herrlicher Schmaus und ein tolles Gewächs?

Hanf stellt kaum Ansprüche an den Boden und wächst so dicht, dass nicht mal Pflanzenschutzmittel, weder gegen Unkraut noch gegen Schädlingsbefall benötigt werden. Hanf wurde verboten, weil der Öl- und Baumwollindustrie Tür und Tor geöffnet wurden und somit einzelne Leute einen Haufen Geld verdienen konnten. Und wie es auch heute so geht, man erfindet ein "Schlagwort", so hat man damals einfach das Wort Marihuana statt Hanf genommen und so wurde die gute Sache auf das übelste schlechtgemacht. Heute bauen wieder einige Biobauern mit einer jährlichen Extra-Genehmigung Hanf an, müssen aber jedes Jahr das Saatgut neu kaufen und dürfen nicht ihr eigenes nehmen.

Ich wünsche Euch wunderbar kalte, aber sonnige Januartage im hoffentlich knirschenden Schnee für einen ganz tollen Spaziergang.

Eure Lucia





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